Antrag Salzkammergut Lokalbahn 260608
Antrag zu TOP 28a) der >>>24. Gemeinderatssitzung der Stadtgemeinde Bad Ischl
vom 26. Juni 2008
<<< UMFRAGE: neue Salzkammergut Lokalbahn?
• Wiedererrichtung der Salzkammergut-Lokalbahn, Petition an die Bundesregierung
GRÜNE Bad Ischl, 07.06.2008, 22:01
Machbarkeits- und Wirtschaftlichkeitsstudie zur möglichen Wiedererrichtung der Salzkammergut-Lokalbahn
Von 1893 bis 1957 verband die im Volksmund liebevoll „Ischlerbahn“ genannte SKGLB Salzburg mit Mondsee, Wolfgangsee und Bad Ischl und ermöglichte deren touristischen und wirtschaftlichen Aufstieg. Die Einstellung der SKGLB im Jahr 1957 durch den damaligen Salzburger Landeshauptmann war eine kurzsichtige und falsche verkehrspolitische Entscheidung.
Dieser Fehler könnte jetzt - 50 Jahre danach - korrigiert werden: Das Konsortium SKGLB Reengineering Ges.n.b.R. hat sich die Wiedererrichtung der SKGLB auf der Strecke Salzburg -Mondsee - Bad Ischl zum Ziel gesetzt und zwar als Verknüpfung eines attraktiven Nahverkehrsangebotes mit einem ideal landschaftsangepassten Tourismuskonzept. Damit könnte einerseits dem überbordenden Verkehrsproblem im östlichen Salzburger Flachgau und im Nordosten der Stadt Salzburg begegnet werden, das mit Mitteln des Straßenausbaues längst nicht mehr in den Griff zu bringen ist.
Zugleich würde die neue Salzkammergut-Lokalbahn dem Not leidenden Fremdenverkehr in der Region zeitgemäße touristische Reise- und Erlebnismöglichkeiten für die Gäste erschließen. Schließlich brächte ein Nostalgieverkehr mit historischen Fahrzeugen auf der legendären, weltweit berühmten Strecke die neue Attraktion, auf die er so dringend wartet.
Interne Studie beweist Wirtschaftlichkeit
Eine Verbindung von Salzburg über Eugendorf und Thalgau nach Mondsee ist die logische
Antwort auf die wachsenden Verkehrsprobleme im östlichen Flachgau und auf den östlichen
Einfallstraßen der Landeshauptstadt Salzburg. Allein ihre Bedeutung für den Pendlerverkehr aus diesem bevölkerungsreichen Landesteil würde den Bau rechtfertigen. Ein von der SKGLB Reeingeneering GnbR. erstelltes generelles Konzept zur Wiedererrichtung der Salzkammergut- Lokalbahn weist nach, dass die Bahn bei Weiterführung der Strecke über St. Gilgen nach Bad Ischl sogar mit Gewinn zu betreiben ist.
Demnach ergibt sich trotz äußerst konservativer Ansätze und pessimistischer Fahrgastprognosen im Betrieb ein positives Ergebnis, das selbst nach Abführung heute üblicher Streckenbenutzungsentgelte an den Infrastruktureigentümer einen operativen Überschuss abwirft und zu einem zweistelligen Cash-Flow führt.
Vor Einstieg in die eigentliche Planung mit UVP, Trassenfestsetzungsverfahren, etc., ist es erforderlich, als Entscheidungsgrundlage für die betroffenen Gebietskörperschaften und als Planungsvoraussetzung eine von unabhängiger Seite erstellte Machbarkeits- und Wirtschaftlichkeitsstudie (Feasibility Studie) zu erstellen, die unter anderem auf Basis demografischer und empirischer Daten den Bedarf prognostiziert und konkrete Vorschläge zu Trassierung und Bau, Betriebsmittelwahl und Betriebsführung erarbeitet sowie eine betriebs- und volkswirtschaftliche Kosten- und Nutzenrechnung enthält.
Geänderte Voraussetzungen bestimmen Bedarf
In den letzten Jahrzehnten fand im „Speckgürtel“ der Stadt Salzburg, aber auch westlich von Bad Ischl entlang der Strecke der ehemaligen SKGLB eine riesige Bevölkerungszunahme statt. Ehemals kleine Orte wie Thalgau, Eugendorf oder Strobl sind mittlerweile zu Satellitenstädten geworden, die überwiegend von Tagespendlern bewohnt werden.
Zugleich haben sich in den genannten Relationen neu Gewerbegebiete mit zahlreichen Mittelbetrieben etabliert, die ihrerseits Pendler-, aber auch Güterverkehr anziehen. Das führt zu einem mittlerweile täglichen Straßenverkehrschaos im östlichen Flachgau und zwischen Strobl und Bad Ischl, vor allem aber in der Stadt Salzburg.
Kommen zu den täglich pendelnden Werktätigen auch noch Touristen aus der Region, die bei schlechtem Wetter einen Ausflug in die Stadt unternehmen, tritt vollends der Stillstand ein. Andererseits leiden die Fremdenverkehrsgemeinden an Mondsee und Wolfgangsee seit der Konkurrenz durch billige Fernflüge notorisch an einem Besucherschwund. Tourismusexperten sind sich einig, dass neben den landschaftlichen Reizen eine zusätzliche Attraktion fehlt.
Die SKGLB fehlt der Region
Hier verspricht das Projekt zur Wiedererrichtung der Salzkammergutlokalbahn die Kombination mehrerer Lösungen:
Als leistungsfähiges, modernes Nahverkehrsmittel bringt sie mit einem dichten Taktverkehr die Pendler aus dem Umland am Stau vorbei nach Salzburg bzw. Bad Ischl, und - auch nicht zu vergessen - in die Gewerbegebiete und zu den touristischen Arbeitgebern. Hier kommt der Bahn sehr zustatten, dass die Trasse im Unterschied zu vielen anderen Lokalbahnen sehr siedlungsnah verläuft und einen großen Teil der Bevölkerung in den Anrainergemeinden mit fußläufig erreichbaren Haltestellen bedienen kann. Darüber hinaus ergeben sich an Kreuzungen mit hochrangigen Straßen natürliche P&R-Umsteigeknoten.
Auf Teilstrecken kann sie mit einem Container-basierenden Güterverkehr die überfüllten Straßen vom LKW-Verkehr entlasten und für pünktliche Belieferung der Betriebe in den Gewerbegebieten sorgen. Im Touristenverkehr verbindet sie die an der Strecke gelegenen weltbekannten Fremdenverkehrsattraktionen mit einem auch am Wochenende dichten Taktfahrplan, bietet Kombinationsmöglichkeiten mit der Schifffahrt, der Schafbergbahn oder dem Fahrrad. Fremdenverkehrsgemeinden wie Strobl oder St. Gilgen können weiter verkehrsberuhigt werden und im Kern Autofrei werden.
Fremdenverkehrsattraktion Nostalgieverkehr
Nicht zuletzt würde die Einrichtung eines Nostalgieverkehrs den darbenden Tourismus in der Region gewaltig ankurbeln. Die SKGLB, auch 50 Jahre nach ihrer Einstellung weltweit die bekannteste Eisenbahnstrecke überhaupt, mit den bei verschiedenen Vereinen vorhandenen Originalfahrzeugen wieder zu befahren, wäre nicht nur als zusätzliche Attraktion eine Aufwertung der Region, sondern würde mit Eisenbahnfreunden aus der ganzen Welt völlig neue Zielgruppen erschließen. Auch im Nostalgieverkehr lassen sich Pakete schnüren und über Reisebüros verkaufen, wie zum Beispiel ein K&K-Jahrhundertwende-Wochenende mit Kaiservilla und Schafberg.
Neue Bahn auf alter Trasse
Die Bahn würde so weit wie möglich auf der alten Trasse gebaut. Das spart Kosten und bringt durch deren Siedlungsnähe keinen Nachteil. Die ursprüngliche Trasse ist zu etwa 90% erhalten und unverbaut. Natürlich gibt es da und dort Hindernisse, und die heutigen Vorschriften erfordern teilweise ein Abrücken von sehr nahe stehenden Häusern. Auch ist angesichts der angestrebten kurzen Fahrzeiten die eine oder andere Streckenbegradigung erforderlich.
In manchen Fällen muss von der Ursprungstrasse abgewichen werden, um Siedlungen oder Betriebe besser anbinden zu können. Insgesamt ist jedoch damit zu rechnen, dass die Bestandstrasse zu etwa 65 - 80% genutzt werden kann.
Schritte zum Ziel
Frühere Projekte einer Revitalisierung von Teilstrecken ausschließlich für Zwecke des Nostalgieverkehrs scheiterten in erster Linie an den Kosten eines Streckenneubaues, deren Hereinbringung durch die Fahrgasteinnahmen zu unsicher schien. Auch wenn die Kosten für die Infrastruktur sehr hoch anmuten, kann das Projekt einer Wiedererrichtung auf der Gesamtstrecke mit Bedienung unterschiedlicher Verkehrs-, aber auch Fremdenverkehrsbedürfnisse, durch den daraus entstehenden Einnahmen-Mix, besonders im touristischen Bereich, mit einem gewinnbringenden Betrieb rechnen.
Dazu haben die Abgeordneten Mag. Johann Maier und Rainer Wimmer am 07.05.2008 eine entsprechende Parlamentarische Petition eingebracht, welche in der 6. Sitzung des Ausschusses für Petitionen und Bürgerinitiativen behandelt wurde.
Es wird daher der
ANTRAG
gestellt, der Gemeinderat der Stadtgemeinde Bad Ischl möge nachfolgende Petition beschliessen:
Petition
"Der Gemeinderat der Stadtgemeinde Bad Ischl ersucht die für dieses Anliegen zuständigen Mitglieder der österreichischen Bundesregierung - insbesondere den Bundesminister für Verkehr, Innovation und Technologie - Forschungsmittel (unter Einbeziehung der betroffenen Bundesländer Salzburg und Oberösterreich) für die Beauftragung einer Machbarkeits- und Wirtschaftlichkeitsstudie (Feasibility Studie) zur möglichen Wiedererrichtung der Salzkammergut-Lokalbahn zur Verfügung zu stellen."
Es wird ersucht, diesem Antrag die Zustimmung zu geben.
GR. Markus Reitsamer:
Das Projekt sei für die Region sehr bedeutsam, um an den wichtigen Zentralraum
Salzburg angebunden zu werden. Als erste Schritte sollten nun die Machbarkeit und auch die
Wirtschaftlichkeit geprüft werden. Der nächste wichtige Schritt sei, die Machbarkeit und Wirtschaftlichkeit zu
überprüfen. Er ersuche um Zustimmung zu diesem, um ein kräftiges Signal aus Bad Ischl zu diesem
Projekt zu geben.
Ergebnis:
Der Antrag Wiedererrichtung der Salzkammergut-Lokalbahn wurde vom Gemeinderat der Stadtgemeinde Bad Ischl in der >>>24. Gemeinderatssitzung vom 26. Juni 2008 mit grosser Mehrheit angenommen.
Leider haben sich die 3 MandatarInnen der Ischler FPÖ der Petition nicht angeschlossen.
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