Resolution: Für lebendiges Brauchtum und kulturelle Identität im Salzkammergut
GRÜNER Gegenantrag zu TOP 21. der >>>10. Sitzung des Gemeinderates der Stadtgemeinde Bad Ischl vom 6. Oktober 2005
Vorschlag GRÜNE Bad Ischl, 02.10.2005 / 19:21
Die GRÜNEN Bad Ischl bringen zur vorliegenden >>>Resolution pro Vogelfang nachfolgenden alternativen Textvorschlg ein:
"Die Welt, Europa, Österreich und damit auch das Salzkammergut waren und sind gerade jetzt einem rasanten Wandel unterworfen. In einer sich schnell ändernden Zeit, im Zeitalter eines „Europas der Regionen" und des „Globalen Dorfes", gibt gerade ein lebendiges Brauchtum vielen Menschen Halt und Sicherheit. Regionale Identität und Vielfalt sind dabei, in einem sich immer mehr integrierenden Europa, von entscheidender Bedeutung.
Das Salzkammergut ist eine geschichtsreiche Kulturlandschaft mit einer sehr ausgeprägten Traditions- und Brauchtumspflege. Lebendiges und gelebtes Brauchtum gehört hier ebenso zur kulturellen Identität der Region Salzkammergut wie der Gletscher zum Dachstein.
Die Menschen in unserer Region sind sich der identitätsstiftenden Bedeutung ihrer Volkskultur, dem tradierten und sinnstiftenden Brauchtum, in ausgeprägte Weise bewusst.
So finden sich hier, als Ausdruck einer lebendige Volkskultur, neben dem Glöcklerlauf, dem Ratschen, dem Pfeifertag, dem Liachtbratlmontag auch der Vogelfang und die Waldvogelausstellungen. Es handelt sich dabei teils um ein jahrhundertealtes, von Generation zu Generation weitergegebenes Brauchtum.
Die Stadtgemeinde Bad Ischl tritt für eine pluralistische, offene Gesellschaft mit starkem regionalem Identitäts- und Kulturbewusstsein ein. Ganz im Sinne der bestehenden Leitbildidee „Stadt Bad Ischl – Brücke zwischen den Zeiten" wird sich die Stadtgemeinde Bad Ischl daher dafür einsetzen, dass lebendiges Brauchtum und die kulturelle Identität der Region geachtet und gewahrt bleiben. Eine Eskalierung des Streites im Zuge der Auseinandersetzung um den Singvogelfang im Salzkammergut ist dabei der Sache in keiner Weise dienlich und wird daher mit Entschiedenheit abgelehnt.
Im Sinne einer Deeskalierung werden die zuständigen Behörden – insbesondere die für den Tierschutz verantwortliche Ministerin Maria Rauch-Kallat sowie die für den Artenschutz und Naturschutz zuständigen Behörden der OÖ Landesregierung - daher ersucht:
1. Prüfung aller juristischen Möglichkeiten, damit im speziellen Fall des Vogelfangs und der Waldvogelausstellungen sowohl den Belangen Tierschutzes, den Bestimmungen des Artenschutzes als auch dem Weiterbestehen eines jahrhundertealten Brauchtums Genüge getan werden kann.
2. Im Interesse der Rechtssicherheit und einer geordneten Rechtspflege nach Lösungen zu suchen.
3. Dabei sollte versucht werden, unter möglichst breiter Einbindung aller Betroffenen und Beteiligten, eine konsensuale Lösung zu finden; diese könnte etwa auch im Wege einer mediativen Aufarbeitung und Auseinandersetzung mit diesem Thema gefunden werden."
Es wird ersucht, dieser Resolution die Zustimmung zu geben.
Ergebnis:
Der Gemeinderat der Stadtgemeinde Bad Ischl hat in der >>>10. Gemeinderatssitzung vom 06. Oktober 2005 mit 3 Ja-Stimmen (GRÜNE), 4 Stimmenthaltung und 30 Nein-Stimme die GRÜNE Voglfang-Resolution abgelehnt.
Mediales Echo:
Vogelfang: Lücke an der grünen Front
Die Fraktion der Bad Ischler GRÜNEN hat eine eigene Resolution für Brauchtumspflege eingebracht
DER STANDARD Printausgabe 8.10.2005
Bad Ischl – Die Haltung der Landes-Grünen in der Diskussion rund um den seit Monaten umstrittenen Singvogelfang im Salzkammergut war stets eine klar ablehnende. Jetzt zwitschern jedoch Brauchtums-Liebhaber aus den eigenen Reihen dazwischen. Die Grünen der Stadtgemeinde Bad Ischl haben in die letzte Gemeinderatssitzung eine Resolution "Für lebendiges Brauchtum und kulturelle Identität im Salzkammergut" eingebracht.
Gefiederte Mediation
Textpassagen in der Resolution bieten dem strikten Nein zum Fang und Ausstellen von Stiglitz, Fichtenkreuzschnabel und Co klar Paroli: ". . . im Zeitalter eines Europas der Regionen gibt gerade ein lebendiges Brauchtum vielen Menschen Halt und Sicherheit. Als Ausdruck einer lebendigen Volkskultur findet sich auch der Vogelfang und die Waldvogelausstellung". Fraktionsobmann Markus Reitsamer sieht das Positionspapier nicht unbedingt als Kritik an den Landesgrünen: "Das wäre übertrieben, wir haben halt eine andere Meinung und gehen einen eigenen Weg. Das hat bei uns Grünen schon Platz", verteidigt sich Reitsamer im STANDARD-Gespräch.
Ziel müsse eine "Win-Win- Situation für Gegner und Voglefänger" sein. Das derzeitige Beharren auf Argumenten sei völlig sinnlos. Der einzige Weg hin zu einem Frieden in der Vogelwelt führt für den Ischler Grünen über eine Mediation. "Was bei Scheidung funktioniert, hilft auch im Singvogelfang-Streit", ist Reitsamer überzeugt.
Landesobmann Rudi Anschober sieht keine Brauchtums-Rebellen in den eigenen Reihen: "Der Druck in der Region auf die Ischler Grünen ist enorm. Die Kernpunkte der Resolution wie die Schaffung einer Rechtssicherheit und die Mediation kann ich unterstreichen. Die Haltung der Landesgrünen ist aber klar: Singvogelfang ist mit dem Tierschutz nicht vereinbar." (Markus Rohrhofer, DER STANDARD Printausgabe 8.10.2005)
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Verkehrte Welt im Salzkammergut:
Ischler Grüne verteidigen Vogelfang
OÖN vom 10.10.2005
BAD ISCHL. Dass das Salzkammergut in manchen Dingen etwas anders ist, müssen nun die oberösterreichischen Grünen zur Kenntnis nehmen. Ihre Parteikollegen in Bad Ischl machen sich für den Vogelfang stark. Gegen die Parteilinie.
Eigentlich ist die Sache aus Sicht der Grünen klar: "Eine Tradition, die mit Tierquälerei verbunden ist, gehört für immer abgeschafft," sagt Doris Eisenriegler, Tierschutzsprecherin der oberösterreichischen Grünen, zum Thema "Vogelfang" - und wird dabei von Landessprecher Rudi Anschober unterstützt.
Doch die Parteikollegen im Salzkammergut sehen das ein wenig anders. Im Bad Ischler Gemeinderat brachten die Grünen jetzt eine Resolution ein, in der sie sich "für lebendiges Brauchtum und kulturelle IdentitäT im Salzkammergut" einsetzen und sich demonstrativ hinter die Vogelfänger stellen.
Markus Reitsamer, Obmann der Ischler Grünen, will darin keine Kritik an der Landespartei sehen. "Wir haben halt eine andere Meinung zum Vogelfang. Das hat bei den Grünen schon Platz." Wichtig sei ihm, dass es zu einer Lösung im Streit zwischen Vogelfängern und Tierschützern kommt und dass endlich Rechtssicherheit hergestellt wird.
Auch Landessprecher Rudi Anschober bemüht sich, das Ausscheren der Bad Ischler Grünen herunterzuspielen. Er zeigt sogar Verständnis: "Der Druck in der Region auf die Ischler Grünen ist enorm." Die Forderungen nach Rechtssicherheit und Vermittlung zwischen den Streitparteien könne er auch unterstreichen. (Edmund Brandner, OÖN vom 10.10.2005)
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