Umweltbombe auf Firmen-Areal?
Stammt Verunreinigung tatsächlich noch von der Salzkammergut Lokalbahn?
GRÜNE Bad Ischl, 13.04.2004 (rm)
Auf dem Grundstück einer ehemaligen Land u. Maschinen Firma an der B 158 in Bad Ischl, könnte eine brisante Umweltbombe lauern.
Das besagt zumindest ein nunmehr vorliegender Untersuchungsbericht und der Bescheid der BH Gmunden vom 8. März 2004, welcher auch der Stadtgemeinde Bad Ischl zugestellt wurde.
Bei einer der 28 Bodensonden, die im Zeitraum vom Mai bis Juni 2003 (!) entnommen wurden, wird ein Mineral-Kohlen-Wasserstoff (MKW) Gehalt von gesamt 1105 mg/kg Trockensubstanz erreicht.
Damit kann eine Kontamination mit Mineralöl als wahrscheinlich angenommen werden. Bei einer Überschreitung des Massnahmenschwellwertes von 1000 mg/kg TS ist in der Regel mit einer Gefährdung des Grundwassers zu rechnen bzw. sollten weitere Massnahmen geprüft werden. Derart belastetes Bodenmaterial darf nach Aushub nur auf speziellen Deponien endgelagert werden.
Nach Ansicht des beigezogenen hydrologischen Sachverständigen ist auf jeden Fall bereits Handlungsbedarf gegeben.
Grundwasser verunreinigt - Gesundheitsgefahr?
Die Grundwasseruntersuchung bei einer weiteren Sonde ergab einen Gesamtgehalt an MKW von 0,25 mg/Liter.
Hier wurde der Grenzwert für das Grundwasser von 0,1 mg/Liter wesentlich überschritten.
Es besteht somit nicht nur die Gefahr einer Grundwasserverunreinigung - es liegt, nach Ansicht der BH Gmunden, in diesem Bereich vielmehr bereits eine grenzwertüberschreitende und damit gesundheitsgefährdende Verunreinigung des Grundwassers vor!
Unmittelbarer Handlungsbedarf ist gegeben. Nach Ansicht der zuständigen Behörde muss
umgehend mit Sofort- bzw. Sanierungsmassnahmen begonnen werden. Dazu ist das Ausmass der Kontamination zu erheben und ein Sanierungskonzept zu erstellen.
Als Sofort- und Sanierungsmassnahmen kommen dabei grundsätzlich, je nach Grad der Verunreinigung, in Betracht:
* Abtragung des verseuchten Bodens
* Errichtung von Sperrbrunnen
* hydraulische Sicherungsmassnahmen
Diese Massnahmen sind jedenfalls bis spätestens 31. Mai 2004 abzuschliessen.
Das betreffende Gebiet ist als wasserwirtschaftlich sensibel anzusehen. Daher ist eine Sanierung auf alle Fälle so durchzuführen, dass die natürlichen Boden- und Grundwasserwerte in diesem Gebiet wiederum erreicht werden.
Kontamination durch Diesel-Tankstelle?
Die Grundstücke sind ab 1968 betrieblich genutzt worden. Dabei wurden eine Spedition und eine Autowerkstätte errichtet.
Etwa im Jahre 1980 wurde auf dem Betriebsareal eine Tankstelle gebaut. Die mit einem 7000 Liter Diesel-Tank ausgerüstete Tankstelle diente einige Jahre hindurch in erster Linie zum Betanken von landwirtschaftlichen Fahrzeugen. Im Bereich von Tankstellen bzw. bei der Lagerung von Dieselkraftstoff kann es zu einer Verunreinigung des Untergrundes mit Mineralöl kommen.
Häufig werden im Bereich von Eisenbahn- bzw. Gleisanlagen Minaralöle gelagert, befördert und verwendet. Dabei kann es durch Unfälle oder schleichende Verluste und Anreicherungen zu einer Verunreinigung des Untergrundes kommen.
- Könnte es auch hier möglicherweise, etwa durch unsachgemässe Handhabung mit Dieseltreibstoffen, zu einer Verunreinigung des Erdreichs und damit in weiterer Folge auch des Grundwassers gekommen sein?
- Oder wurde tatsächlich (auch verunreinigtes) Abbruchmaterial der Trasse der ehemaligen Ischler Lokalbahn grossflächig auf dem Areal aufgebracht, bevor mit der Bebauung begonnen wurde?
- Ist wirklich nur der Erdboden jenes Grundstücks verunreinigt, auf dem eine neue Billig-Tankstelle errichtet werden soll?
- Oder ist möglicherweise auch die unmittelbar daneben liegende Grundfläche kontaminiert und das Grundwasser verschmutzt, wo ein neuer Lebensmittel-Markt gebaut wird?
Interessantes Detail dazu: Der Bürgermeister hat als Baubehörde 1. Instanz für den Lebensmittel-Markt die Baubewilligung bereits erteilt. - Was ist mit Erdboden und Grundwasser im Bereich der ehemaligen Autowerkstätte Ford Berner? Und was geschah mit der dort befindlichen ehemaligen Tankstelle?
- Sollte der Bürgermeister nicht vielmehr umgehend genaue Boden- und Grundwasseruntersuchungen auf diesen Grundstücken veranlassen, um jeden Verdacht auszuschliessen? Denn gerade ein Lebensmittel-Markt könnte wohl kaum auf kontaminiertem Untergrund gebaut werden.
Age of Aquarius?
Einige dieser Fragen bleiben vorerst unbeantwortet. Hier sollte seitens der zuständigen Behörden nicht mit vorschnellen Beschwichtigungen gearbeitet werden. Und gar ein Vertuschen würde verseuchtes Wasser auch nicht wieder natürlich rein und sauber machen. Im "Jahrzehnt des Wassers" kommt gerade auch dem Schutz des Grundwassers verstärkte Bedeutung zu.
Die betroffene Bevölkerung hat ein Recht darauf zu erfahren, ob tatsächlich eine Umweltgefährdung vorliegt. Und wenn wirklich das Grundwasser kontaminiert ist, und damit womöglich auch bereits Hausbrunnen verseucht sein könnten, tut rasche Aufklärung not. Nicht nur unserer Umwelt, sondern auch der Gesundheit der betroffenen Bevölkerung zuliebe.
Die Bombe tickt!
Man darf also gespannt sein, ob sich diese Umweltbombe tatsächlich so einfach entschärfen lässt. Und bis dahin wird sie weiter still vor sich hinticken.....
- OÖ-Nachrichten (30.03.2004) >> Hier klicken!
Ist alles ned so schlimm...
Kommentar, GRÜNE Bad Ischl, 22.04.2004 (rm)
verunreinigter Boden nicht gravierend?
Der Massnahmen-Schwellwert für Böden bezogen auf Mineral-Kohlen-Wasserstoff liegt bei 1000 mg pro kg Trockensubstanz.
Bei einer Bodensonde wird ein Mineral-Kohlen-Wasserstoff (MKW) Gehalt von gesamt 1105 mg/kg TS erreicht. Damit kann, nach Ansicht von Fachleuten, eine Kontamination mit Mineralöl als wahrscheinlich angenommen werden. Derart belastetes Bodenmaterial darf nach Aushub nur auf speziellen Deponien endgelagert werden. Bei einer Überschreitung des Massnahmenschwellwertes ist, nach Ansicht der Fachleute, in der Regel mit einer Gefährdung des Grundwassers zu rechnen.
Warum dann eine derartige Überschreitung des Grenzwertes nach Ansicht der Behörde bislang als "...nicht gravierend..." anzusehen ist, kann nicht gesagt werden.
verseuchtes Grundwasser nicht gefährlich?
Die Grundwasseruntersuchung bei einer weiteren Sonde ergab einen Gesamtgehalt an MKW von 0,25 mg pro Liter. Hier wurde der Grenzwert für das Grundwasser von 0,1 mg pro Liter wesentlich, d.h. um mehr als das Doppelte (!) überschritten.
Nach Ansicht des hydrologischen Sachverständigen ist auf jeden Fall bereits Handlungsbedarf gegeben.
Es besteht somit nicht nur die Gefahr einer Grundwasserverunreinigung - es liegt, nach Ansicht der BH Gmunden, in diesem Bereich vielmehr bereits eine grenzwertüberschreitende und damit gesundheitsgefährdende Verunreinigung des Grundwassers vor!
Doch die Behörde geht trotz grenzwertüberschreitender und damit gesundheitsgefährdender Verunreinigung des Grundwassers nunmehr davon aus, dass noch "... keine massive Verunreinigung des Bodens...." vorliegt. Warum sie zu dieser Annahme kommt, kann auch nicht gesagt werden.
Auch wie die Behörde a priori feststellen kann, dass die Hausbrunnen in der Umgebung der Grundstücke nicht doch verunreinigt sind, kann ebenso nicht gesagt werden.
Hier sind aber Beschwichtigungen nicht hilfreich! Letztlich werden wohl nur eingehende und unabhängige hydrologische und wasserrechtliche Untersuchungen mehr Licht in diesen eigenartigen Umweltbomben-Dschungel bringen.
Und warum trotz mancher ungeklärter Fragen bereits mit den Arbeiten zur Verkehrsanbindung des geplanten Lebensmittelmarktes und der Tankstelle an die B 158 begonnen werden konnte, kann wohl auch niemand so recht beantworten.
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